Auf nach Polen – unsere Eindrücke von Krakau und Auschwitz

Studienfahrt der Klasse 11a des Schuljahres 2014/2015


Morgens, um 7.00 Uhr am 29. Juni 2015 startete unsere Studienfahrt nach Polen, auf die wir uns schon ewig freuten. Doch bevor wir Polen und dort vor allem Krakau und Auschwitz erkunden konnten, lag zunächst eine ca. 8 Stunden lange Busfahrt vor uns. Also fuhren wir los. Nach einigen Pausen in Deutschland und auch in Polen waren wir dann da.
Nachdem wir alle eingecheckt hatten, ging es auch schon los. Noch am frühen Abend des 1. Tages stand eine kleine Stadtführung durch die Altstadt Krakaus auf unserem Plan. Wir gingen durch die Straßen der Stadt mit ihren alten Gebäuden, neuen Restaurants und Einkaufsläden und kamen am Rynek Główny, dem Hauptmarkt Polens, an. Dort befinden sich viele Sehenswürdigkeiten der Stadt, doch uns hat vor allem die Marienkirche mit ihren beiden charakteristischen Türmen beeindruckt. Sie sind unterschiedlich hoch. Aus dem höheren der beiden erklingt zu jeder vollen Stunde das traditionelle Trompetensignal Hejnał. Jedoch nicht das ganze Signal. Einer Legende nach wurde ein Turmbläser bei der Tatareninvasion von 1241 durch einen Pfeil getötet, als er das Alarmsignal spielte. Zu Ehren des Trompeters bricht die Melodie auch heute noch genau zu diesem Zeitpunkt ab, da er die Stadt mit seiner Warnung rettete. Langsam endete unser 1. Tag in Krakau. Wir aßen noch zu Abend und machten uns dann wieder auf den Weg in unser Hostel, um genügend Schlaf zu bekommen für den nächsten Tag.


Unser Wecker klingelte schon früh am Dienstagmorgen, damit wir auch viel erleben konnten. Nach dem Frühstück führte unser Weg zunächst in das ehemalige jüdische Ghetto. Auch heute existiert noch ein Teil der Mauer, die diesen Bereich vom Rest der Stadt abgrenzte. Es gibt dort viele Häuser und Gebäude aus dieser Zeit, und auch die Kanalisation, die beim Aufstand der Juden eine wichtige Rolle spielte, ist noch erhalten.
Danach besuchten wir die ehemalige Fabrik Oskar Schindlers. Die Fabrik ist heute ein Museum, welches an Schindler, aber auch an die Zeit der Nationalsozialisten mit all ihren Symbolen erinnerte. Es gab beispielsweise einen Raum, der mit Hakenkreuzfliesen und -fahnen sowie mit diversen Hetzschriften ausgestattet war. Von Schindler selbst kann man noch das original eingerichtete Büro sehen sowie die Schreibmaschine, auf der Izak Stern die 1200 Namen der jüdischen Frauen und Männer tippte, die auf diese Weise gerettet wurden.
An diesem Tag besuchten wir noch das Stammlager in Auschwitz. Als wir ankamen, verspürten wir schon ein komisches Gefühl im Magen, da wir wussten, dass genau an diesem Ort viele Menschen gequält, gefoltert und umgekommen oder ermordet wurden. Zunächst führte unser Weg zu der nachempfundenen Totenmauer. Hier legten wir zum Gedenken an die Opfer einen Kranz nieder. Dies war ein sehr ergreifender Moment, da eine Mitschülerin ein Gebet in hebräischer Sprache vortrug. Im Stammlager konnte man nachempfinden, wie das Leben der KZ-Häftlinge aussah. Wir sahen beispielsweise Betten, obwohl, man kann es eigentlich gar nicht als Betten bezeichnen, da sie entweder nur aus dünnen Stoffbahnen und/oder Stroh bestanden. Die ehemaligen Baracken sind heutzutage Museumsräume. So kann man zum Beispiel ein Modell einer Baracke oder eines Krematoriums sehen. Doch dann kam etwas, was uns alle sehr schockiert hat: ein Raum voller Haare der ehemaligen Häftlinge. Da mussten wir alle erst einmal schlucken. Als wir weiter gingen, kamen wir in weitere Räume, die voller Schuhe und Koffer waren. Am Ende unserer Besichtigung sahen wir noch ein Buch mit all den Namen der Menschen, die in Auschwitz ihr Leben ließen. Danach ging es wieder zurück zum Hostel, damit alle auf individuelle Art und Weise den Abend nach dem ziemlich ereignisreichen Tag ausklingen lassen konnten.

 

Am 3. Tag unserer Studienfahrt besichtigten wir das jüdische Viertel Krakaus. Heutzutage leben dort kaum noch Juden, wie wir erfuhren, jedoch gibt es dort immer noch viele jüdische Restaurants, Geschäfte und auch Synagogen, von denen wir eine besichtigten. Als wir hineingingen, waren wir alle sofort verzaubert. Dort war es auf ganz spezieller Weise wunderschön und einzigartig durch die vielen schönen Verzierungen und Bildnisse. Natürlich mussten auch unsere Jungs die traditionelle Kippa tragen und jeder, der nackte Schultern hatte, bekam ein Tuch, um diese zu bedecken.
Nach einer kleinen Mittagspause ging es auch schon weiter. Wir fuhren mit dem Bus zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Als wir ankamen, merkten wir gleich, dass hier etwas anders war als im Stammlager. Es war alles noch trister, einfacher und der Lebensstandard für die Häftlinge war noch schlechter. In Birkenau sind nur noch die aracken aus Stein zu sehen, die aus Holz sind zerfallen oder sind abgerissen bzw. abgefackelt wurden. Wir gingen also in eine dieser Baracken hinein und sahen einen Schlafsaal, wo es buchtenartig Liegemöglichkeiten aus Brettern auf drei Etagen gab. Auf diesen 2 mal 2 Metern mussten sich 6 bis 10 Frauen zusammendrängen. Dann gingen wir weiter auf dem Gelände, als uns auffiel, dass alles sehr grün ist. Im nachhinein wurde uns erklärt, dass all das, was Gras oder ähnliches ist, früher kalter und matschiger Lehmboden war. Zum KZ-Gelände führten Schienen, welche noch erhalten sind, sowie ein originaler Wagon, in dem die Häftlinge zum Vernichtungslager befördert wurden. Alle Krematorien wurden zerstört bis auf einige Schornsteine – auch der von Dr. Mengele. Er experimentierte viel an den Menschen herum, besonders Zwillinge hatten es ihm angetan. Beispielsweise operierte er sie ohne Narkose, um die Schmerzempfindlichkeit von Zwillingen zu testen, und führte viele weitere grausame Experimente an ihnen durch. Verteilt auf dem Gelände sahen wir oftmals schwarze Steine stehen. Uns wurde erklärt, dass sie an den Stellen im Lager stehen, wo sich die Asche der verbrannten Häftlinge besonders konzentrierte. Von weitem sahen wir weitere 'Gebäude' aus Holz. Es sind die ehemaligen Latrinen des KZ. Dort herrschten zur damaligen Zeit unmenschliche Zustände. Löcher, welche dicht an dicht lagen, waren die Toiletten. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn dort viele Krankheiten wie Typhus auftraten. Viele Häftlinge taten dort freiwillig Dienst, damit sich die SS-Offiziere von ihnen fernhielten, da diese viel zu viel Angst vor den ansteckenden Krankheiten hatten. Am Ende unseres Tages in Birkenau sahen wir noch einen Raum voller Bilder. Es sind mehr als 2000, die dort an mehreren Wänden hängen. Ein Häftling hatte sie in seinem Koffer, den er mitnehmen durfe. Es scheint, als ob dies sein wichtigster Besitz gewesen sei. Nach diesem aufwühlenden Tag fuhren wir erschöpft in unser Hostel zurück und ruhten uns aus, um für den nächsten Tag wieder voller Energie zu sein.

 

Das Programm an unserem letzten Tag vor unserer Abreise war etwas entspannter als die Tage davor. Am Donnerstag hieß es: auf in den Pieninski Nationalpark. Wir freuten uns sehr, da nach den letzten körperlich sowie emotional anstrengenden Tagen heute auch das Vergnügen nicht zu kurz kam. Eine Floßfahrt auf dem Dunajec stand auf dem Plan. Also bildeten wir zwei Gruppen und setzten uns jeweils in ein Floß, welches wir nicht einmal selbst bewegen mussten, da es zwei Männer gab, die gepaddelt haben, damit wir sicher von A nach B kamen. Auf dem Floß haben wir viele typische Tiere und Planzen gesehen. Es war wirklich eine sehr schöne Landschaft dort. Nach der Floßfahrt sind wir wieder zurück zum Hostel gefahren, da wir unseren letzten Abend mit Grillspezialitäten aus aller Welt beenden wollten. Also taten wir das auch und bedankten uns gleichzeitig bei unserer Reisebegleitung, unserem Lehrer und auch bei einer sehr engagierten Mutter einer Mitschüerin.

 

Am Freitag, dem 03. Juli 2015, hieß es dann wieder: Do widzenia Polska. Denn nun war unsere Studienfahrt auch schon wieder vorbei. Nur noch die 8-stündige Busfahrt lag zwichen uns und unserer Heimat. Auf dem Weg nach Hause, bedankten wir uns außerdem noch bei unserem Busfahrer, da er wirklich sehr nett war und uns heil von der einen zur

anderen Stelle gebracht hat.

 

Alles in allem können wir sagen, dass es eine sehr gelungene Studienfahrt war und Krakau sowie Auschwitz sehr interessante Orte sind, die jeder einmal gesehen haben sollte. Vor allem das Stammlager, Auschwitz-Birkenau und das Museum rund um Schindler sind sehr sehenswert. Unserer Meinung nach ist es auch wichtig, als Schüler dieses Konzentrationslager zu besuchen, da es ein sehr prägnanter Teil der Geschichte ist und wir alle den Opfern des Nationalsozialismus gedenken sollten.

 

Maximilian Grothe, Torben Körtje, Isabel Preuße, Lea Weisbach

 

 

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